Albrecht Rike, vom Bauernsohn zum Bischof

Enthüllung einer Gedenktafel für Albrecht Rike aus Rickensdorf, der als „Albert von Sachsen“ ein berühmter Philosoph und Kirchengelehrter des Mittelalters wurde.
Rickensdorf 2002. Dass ein Bauernsohn eine Karriere als Gelehrter, Philosoph und Kirchenfürst macht, war im Mittelalter eher unwahrscheinlich, denn ein Studium war damals Menschen vom „höheren Stande„ vorbehalten. Nicht so bei Albrecht Rike, geb. 1325 in Rickensdorf, dessen Begabung und Lernfreude dem Dorfpriester auffiel und dieser sich bei den Bahrdorfer Lehnsherren dafür einsetzte, Albert ein Studium der Geisteswissenschaften zu ermöglichen.

So machte Albrecht dann auch eine bemerkenswerte Karriere. Nach höheren Studien in Magdeburg und Erfurt wurde er als Albert von Sachsen Rektor an der berühmten Pariser Universität (Sorbonne). Später wirkte Albert in Wien und war mehr als ein Jahr lang Gründungsrektor der am 12. März 1365 von Herzog Rudolf IV. von Österreich gestifteten Wiener Universität.

Aufgrund seiner hervorragenden wissenschaftlichen Verdienste wurde er schließlich von Papst Urban V. nach Avignon gerufen und am 21. Oktober 1366 als Albrecht III. zum Bischof von Halberstadt ernannt. Seine Familie und seinen Geburtsort Rickensdorf vergaß er nie. So ließ er auf eigene Kosten eine Steinstraße durch Rickensdorf verlegen und schenkte der Kirche Heiligenbilder. Bis zu seinem Tod am 8. Juli 1390.erwies er sich als volksnaher Kirchenfürst und fähiger Politiker. Er liegt in der Mitte des Halberstädter Doms begraben. Seine knapp 30 bekannten Werke zur scholastischen Philosophie sind in etwa 300 Handschriften und 50 Frühdrucken überliefert und werden noch heute erforscht.

Professor Wolfgang Gombocz und Magister Harald Berger, Philosophen von der Universität Graz, forschten schon seit längerem nach Albert und die ersten Kontakte mit Harald Ludwig aus Meinkot und mit Willi Krathge, einem Heimatpfleger aus Rickensdorf begannen im Jahr 2002 mit dem Ziel, in Rickensdorf eine Gedenktafel einzurichten und damit das Geschichtsbewusstsein der hier lebenden Menschen zu fördern.

Erstes Treffen bei Familie Ohse.

So fand ein deutsch-österreichisches Treffen der besonderen Art am 29. April 2002 in Rickensdorf statt. Die beiden Wissenschaftler Berger und Gombocz nutzten während einer Vortragsreise durch Deutschland die Gelegenheit, den Geburtsort Alberts zu besuchen. Man traf sich in gemütlicher Kaffeerunde auf dem Hof von Horst Ohse in Rickensdorf, dem früheren Standort von Alberts Geburtshaus. Der ebenfalls anwesende Ortsbürgermeister Eginhard Waurich nahm den Vorschlag positiv auf, eine Gedenktafel zu Ehren Alberts in Rickensdorf einzurichten. Nach anschließender Ortsbesichtigung und einem Spargelessen beim Ehepaar Krathge folgte noch eine Fahrt zum Juleum, der ehemaligen Universität Helmstedts. Ziel war die Besichtigung der noch heute bestehenden Universitätsbibliothek, wo der Bibliothekar Rolf Volkmann die Gäste in anschaulicher Weise über die geschichtliche Entwicklung der Universität Helmstedt informierte und auch Einblicke in besonders interessante Bücher und Schriften ermöglichte.
Am Ende dieses ersten gelungenen Treffens trennte man sich einvernehmlich mit der Gewissheit, weiterhin in Verbindung zu bleiben und der Einrichtung einer Gedenktafel zu Ehren Alberts von Sachsen entgegenzusehen.

Zwei Jahre später, am 25. Juni 2004, war es dann soweit. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde wurde die Gedenktafel am Hof von Horst Ohse in Rickensdorf enthüllt, dem wahrscheinlichen Standort des früheren Geburtshauses Alberts. Magister Harald Berger von der Universität Graz würdigte in seiner Ansprache vor Rickensdorfer Bürgern und Gemeindevertretern der Rickensdorfer Kirche die Verdienste Alberts als Geisteswissenschaftler, Philosoph und Bischof.


Historische Zusammenfassung von Harald Berger
Albrecht Rike aus Rickensdorf, bekannt als Albert von Sachsen (†1390) In Rickensdorf, heute Samtgemeinde Velpke, Landkreis Helmstedt, damals zu Sachsen, Diözese Halberstadt, gehörig, wurde um 1325 Albrecht als Sohn des Bauern Bernhard Rike (mnd., lat. Dives, nhd. Reich[er]) geboren. Als Albert von Sachsen (lat. Albertus de Saxonia; auch: Albert von Helmstedt, von Rickensdorf) ist er in die Geistesgeschichte eingegangen: Nach ersten höheren Studien wahrscheinlich in Magdeburg und in Erfurt wurde er an der berühmten Universität Paris ein bedeutender Philosophieprofessor (1351-1362, Rektor 1353). Auch sein Bruder Johannes war Magister artium (1358) und Rektor (1363) dieser Universität. Von 1363/64 bis 1366 wirkte Albert in Wien und war mehr als ein Jahr lang Gründungsrektor der dort am 12. März 1365 von Herzog Rudolf IV. von Österreich gestifteten Universität. Aufgrund seiner hervorragenden wissenschaftlichen Verdienste wurde er schließlich von Papst Urban V. nach Avignon gerufen und am 21. Oktober 1366 zum Bischof von Halberstadt ernannt. Als Albrecht III. regierte er seine Heimatdiözese bis zu seinem Tod am 8. Juli 1390 und erwies sich auch als fähiger Kirchenfürst und Politiker. Er liegt in der Mitte des Halberstädter Doms begraben. Seine knapp 30 bekannten Werke zur scholastischen Philosophie sind in etwa 300 Handschriften und 50 Frühdrucken überliefert und werden noch heute erforscht. R.I.P.
Genaueres in: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, 2. Aufl., Bd. 11, Lfg. 1, Berlin u. New York 2000, Sp. 39-56.

In einer Chronik von Rickensdorf aus dem 18. Jahrhundert ist über die Rickensdorfer Kirche folgendes vermerkt: Noch heute finden wir in der Kirche eine Glocke aus dem 14. Jahrhundert, deren erhabene Majuskelinschrift Paul Jonas Meier folgendermaßen entzifferte: „ano dmi m. ccc. Ixxvii i vigilia sci Jacobi apli“ und die übersetzt lautet: „Im Jahre des Herrn 1377 am Tage vor dem des Apostels Jakobus (24. Juli)“. Da die Rickensdorfer Kirche 1377 zur Diözese Halberstadt gehörte, ist anzunehmen, daß Albert von Sachsen diese Glocke der Kirche seines Geburtsortes gestiftet hat. Leider existiert die Glocke nicht mehr.

Harald Berger M.A., Universität Graz

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